Weißtannenexkursion im Forstrevier Kirburg

 02.09.2019

In den Gemeindewäldern Kirburg, Lautzenbrücken, Hof und Nisterau hat eine Fachexkursion zum Thema Weißtannenanbau stattgefunden. Gut 50 Teilnehmer hatten sich eingefunden, um in der ganztägigen Veranstaltung fünf Waldbilder anzuschauen und von den vor Ort gemachten Erfahrungen beim Anbau der Weißtanne zu profitieren. Die Teilnehmerschaft setzte sich aus Forstleuten und Waldbesitzern zusammen, die zum Teil eine weite Anreise aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz auf sich genommen hatten. Ausrichter der Waldexkursion war die Arbeitsgemeinschaft naturgemäßer Waldwirtschaft (ANW), Landesverband Rheinland-Pfalz. Dem Anbau der Weißtanne wird insbesondere im Hinblick auf den Klimawandel eine zunehmende Bedeutung beigemessen. Die Weißtanne hat u.a. folgende Eigenschaften, die sie gerade im „Hohen Westerwald“ als geeignet erscheinen lassen:
•    Sie kann auch verdichtete Böden noch tief durchwurzeln, ist damit standfester als die Fichte und fördert aus tieferen Bodenschichten Nährstoffe nach oben, die dann in den Nährstoffkreislauf gelangen
•    Die Nadelstreu der Weißtanne ist sehr förderlich für das Bodenleben
•    Sie benötigt zwar auch hohe Niederschläge, kommt aber mit den steigenden Temperaturen besser zurecht als die Fichte

Allerdings ist der Anbau der Weißtanne sehr aufwändig. Sie wächst nur im Schutz vorhandenen Waldes, verträgt also die Freifläche überhaupt nicht und benötigt eine intensive Pflege. Von Förstern wird sie auch als Mimose bezeichnet! Zudem benötigt sie einen umfassenden Schutz gegen Wildverbiss.



Bis Mitte der 1980er Jahre wurde keine Weißtanne im hiesigen Raum angebaut – beim Nadelholz hat man zu 100 % auf die Fichte gesetzt.
Förster Esper hat – inspiriert durch seine Ausbildung im südwestdeutschen Raum und die seiner Meinung nach günstigen klimatischen Voraussetzungen im „Hohen Westerwald“– bereits ab 1986 Weißtannen im Forstrevier Kirburg angebaut. Im Laufe der Zeit wurde die Weißtanne an über 100 Forstorten im Forstrevier angepflanzt und wächst nun auf etwa 2 % der Waldfläche.

Ziel des Weißtannenanbaues ist es:
•    Ausstattung der gesamten Waldfläche mit potenziellen Samenbäumen
•    Stabilisierung des Waldgefüges mit stabiler, ökologisch wertvoller Baumart
•    Förderung des Nährstoffaufschlusses aus tieferen Bodenschichten
•    Natürlich auch – allerdings in bescheidenem Umfang – die Produktion von starkem Nadelstammholz
•    Sammeln von Erfahrung hier vor Ort mit der Baumart Weißtanne

Während der gesamten Veranstaltung hat eine angenehme Atmosphäre vorgeherrscht, die Diskussionen und der Austausch waren intensiv. Die Rückmeldungen haben gezeigt: Eine gelungene Veranstaltung mit einem deutlichen Mehrwert für die Teilnehmer*innen.