Im Januar dieses Jahres brachte die SPD-Fraktion den Antrag „Umwandlung des Rasenplatzes im Schulzentrum Bad Marienberg in einen Kunstrasenplatz“ in den Verbandsgemeinderat ein. Nach intensiven Beratungen im Verbandsgemeinderat sowie im Haupt- und Finanzausschuss sprachen sich nun eine Mehrheit von CDU und Grünen bei Enthaltung der SPD-Fraktion gegen eine Umwandlung und für den Erhalt der allseits beliebten Rasensportanlage aus.
Wie Bürgermeister Marvin Kraus in beiden Gremien ausführte, würde die Umwandlung des Naturrasenplatzes in einen Kunstrasenplatz Investitionskosten von mehr als 500.000 Euro verursachen. Zwar könnten durch einen Kunstrasen künftig Unterhaltungskosten von bis zu 10.000 Euro jährlich eingespart werden, eine wirtschaftliche Amortisation der Maßnahme sei jedoch nicht zu erwarten. Hinzu komme, dass nach den Empfehlungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) eine Kunstrasenfläche spätestens nach rund 20 Jahren vollständig erneuert werden müsse. Auch hierfür wären erneut Investitionen im sechsstelligen Bereich erforderlich.
Ebenfalls setzte sich die Verwaltung mit den von der SPD angeführten Vorteilen einer höheren Bespielbarkeit und Wetterunabhängigkeit auseinander. Unbestritten sei, dass ein Kunstrasenplatz mit rund 2.000 Nutzungsstunden pro Jahr deutlich intensiver genutzt werden könne als ein Naturrasenplatz, dessen Kapazität bei etwa 700 Stunden liege. Tatsächlich werde diese Grenze derzeit jedoch nicht erreicht. Nach Angaben des Bürgermeisters wird der Rasenplatz aktuell lediglich rund 550 Stunden pro Jahr genutzt, sodass noch ausreichende Kapazitätsreserven vorhanden seien.
Auch das Argument der Wetterunabhängigkeit relativierte die Verwaltung. So sollen Kunstrasenplätze bei Frost ebenfalls nicht bespielt werden. Gerade in diesem Jahr habe es stellenweise noch bis in den April hinein Frost gegeben. Gleichzeitig biete ein Naturrasen insbesondere in den Sommermonaten deutliche Vorteile, da er sich bei hohen Temperaturen wesentlich weniger aufheize als eine Kunststoffoberfläche. Angesichts zunehmender Hitzeperioden infolge des Klimawandels sei dies ein nicht zu unterschätzender Aspekt.
Gemäß Beschluss des Verbandsgemeinderates bleibt der Rasenplatz im Schulzentrum in seiner bestehenden Form erhalten und wird nicht in einen Kunstrasenplatz umgewandelt.
Darüber hinaus verwies Bürgermeister Kraus auf den gesetzlichen Auftrag der Verbandsgemeinde. Nach Schulgesetz und Gemeindeordnung sei die Verbandsgemeinde in erster Linie verpflichtet, geeignete Sportstätten für den Schulsport bereitzustellen. Die Schulen im Schulzentrum hätten sich im Rahmen der Beratungen ausdrücklich gegen einen Kunstrasenplatz ausgesprochen.
Für die Fraktionen von CDU und Bündnis 90/Die Grünen überwogen daher sowohl die wirtschaftlichen als auch die funktionalen Argumente zugunsten des bestehenden Naturrasenplatzes. CDU-Fraktionschef Dr. Kai Müller machte nochmal deutlich, wie beliebt die VG-Rasensportanlage im Schulzentrum sei, ob das Finale des Rheinlandpokals der Jugend, oder Trainingslager verschiedener Profi-Mannschaften „Solche Events würden ohne unsere Rasenfläche in Bad Marienberg nicht mehr stattfinden – einen solchen Platz baut man nicht um“. Gemeinsam mit dem Fraktionssprecher der Grünen, Thomas Zadro, war sich Dr. Müller auch einig, dass die Ökologie eine wesentliche Rolle spielen solle. Mit der Mehrheit entschieden sie sich dafür, die hochwertige und gepflegte Rasensportanlage auch künftig zu erhalten und auf eine kostenintensive Umwandlung in einen Kunstrasenplatz zu verzichten. Für die antragsstellende SPD-Fraktion stellte Fraktionsvorsitzender Lucke nochmal fest, dass die Sozialdemokratie nicht gezielt die Umwandlung, sondern nur einen Prüfauftrag und die Diskussion für das Thema beantragt habe, bei der abschließenden Abstimmung enthielt sich die SPD-Fraktion einstimmig.
